Göttingen: 20. Todestag der Antifaschistin Conny

Vor 20 Jahren wurde die Antifaschistin Conny in Göttingen nach einer Auseinandersetzung mit Neonazis von der Polizei in den fließenden Straßenverkehr gejagt. Dabei wurde sie von einem Auto erfasst, durch die Luft geschleudert und war sofort tot. Das war ein politischer Mord! Hintergrund dieser Eskalation waren regelmäßig stattfindene Übergriffe von Neofaschisten gegen Linke, alternative Jugendliche und MigrantInnen in der Göttinger Innenstadt. Hiergegen organisierten autonome Antifas antifaschistische Selbsthilfe. Wurden Neofaschisten aus Göttingen und dem Umland in der Stadt gesichtet, wurden diese unmittelbar von antifaschistischen Kräften militant vertrieben. Zu solch einer Auseinandersetzung kam es auch am 17. November 1989, an der die Antifaschistin Conny involviert war. Wie häufig zuvor auch geleitete die Polizei die Faschisten sicher aus der Innenstadt und eröffnete im Anschluss eine Verfolgungsjagd gegen die AntifaschistInnen. Eine besondere Rolle nahm dabei das Zivile Streifenkommando (ZSK) ein; eine politische Polizeieinheit in zivil, die sich seit Jahren einen Kleinkrieg mit der autonomen Szene der Universitätsstadt lieferte. Dass sie Conny dabei auf der Weender Landstraße in Höhe des Indunazentrums in den fahrenden Verkehr trieben war kein Zufall, sondern sie folgten damit aktiv ihrer Gesinnung. Dies zeigt der entsprechende Spruch im Polizeifunk am 17.11.1989 um ca. 21.10 Uhr: „Ich würde sagen, wenn wir genug Leute sind, sollten wir sie ruhig mal plattmachen“.

Plakat zur Demo eine Woche nach Connys TodDie nächsten Wochen und Monate waren in Göttingen aber auch darüber hinaus von Mahnwachen, Soliaktionen und Demonstrationen geprägt. Beispielsweise fand am 25.11.1989 eine bundesweite Demonstration in Göttingen mit 18.000 Menschen statt. Nachdem die Demo schweigend an der Todesstelle vorbeigezogen war, begab sie sich zurück in die Göttinger FußgängerInnenzone. Aus Trauer um die getötete Genossin ebenso wie aus Wut gegen Polizeistaat und faschistischen Terror wurde daraufhin die gesamte Innenstadt entglast. Vor dem JuzI in der Bürgerstraße kam es im Anschluss an die Demo zu heftigen Kämpfen mit der Polizei, bei der diese mit Steinen, Zwillen und Mollotow-Cocktails zurück geschlagen wurde. In den ersten fünf Jahren fanden jährlich Mahnwachen oder Demos zum Todestag der Antifaschistin statt. Danach folgten größere Aktionen 1997 und 1999, also 10 Jahre nach dem Mord an Conny.

Zum 20. Todestag von Conny bereiten verschiedene Initiativen und Einzelpersonen Veranstaltungen, eine Ausstellung, ein Solikonzert und weitere Aktivitäten vor. Für Samstag, den 14.11.2009 wird zu einer Demonstration „Kein Vergeben, kein Vergessen!“ in Göttingen aufgerufen.

Quelle und mehr auf www.inventati.org/ali