Archiv für Oktober 2008

Jeder Fünfte denkt rechts

Die Partei „Die Grünen“ luden am Montag zu einer Diskussionsrunde gegen Rechtsextremismus in das Jugendzentrum nach Leinefelde ein. Was dort zu Tage kam ist wohl nicht mehr erschreckend, sondern Realität. Hier die Zusammenfassung in einem Artikel der „Thüringer Allgemeinen“ von Thomas Müller:

Wie gehen wir mit Rechtsextremisten um? Auf diese Frage spitzte sich am Montagabend eine Diskussion im Jugendzentrum Leinefelde zu, an der unter anderem die Bundestagsabgeordnete Monika Lazar (Grüne) und der Amtsrichter Henning Horstmeier teilnahmen.

Offen sichtlich hat das Eichsfeld derzeit nicht das größte Problem mit Rechtsextremismus. Sowohl Streetworker Vitali Welitschkin als auch der Chef der Villa Lampe, Thomas Holzborn, bestätigen aber: Unter Jugendlichen gibt es offene ausländerfeindliche Tendenzen. Dass jeder fünfte Thüringer rechte Einstellungen vertritt, fügt Katja Fiebiger von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus (Mobit) hinzu. Insofern ist man sich einig: Aufklären heißt die Devise.“Anfangen könnte man damit bei Trainern und Übungsleitern in Vereinen“, meint Karl Werkmeister. Der Vorsitzende des Vereins Breitensport International in Leinefelde ist der Ansicht, dass im Sport, wo man Jugendliche am ehesten erreicht, mehr getan werden müsste. Er selbst initiiert Projekte für Schulen und Kindergärten in Zusammenarbeit mit dem Verein. Aufklärung heißt sein Motto. Deshalb regt er an, dass sich der Kreissportbund möglichst bald mit Mobit in Verbindung setzen und allen Trainern vermitteln sollte, wie man erkennt, ob ein Jugendlicher mit Rechten sympathisiert. „Erst wenn man das Problem sieht, kann man was dagegen tun“, ermutigt Katja Fiebiger von Mobit ihn.

Zutage kamen bei der Debatte einige besorgniserregende Fälle, die im Eichsfeld nicht öffentlich wurden. So habe sich eine Worbiser Lehrerin von ihren Kollegen alleingelassen gefühlt, als sie merkte, dass in ihrer Klasse rechtsgesinnte Schüler waren. Und ein Junge aus Bischofferode sei zusammengeschlagen worden, weil er an einer Initiative teilnahm für mehr Toleranz.

Thema am Montag war auch der Umgang mit Extremen im Wahlkampf. Nicht ignorieren, meinten die meisten, aber auch nicht dämonisieren. Amtsrichter Horstmeier riet, rechtsgesinnte Personen nicht per se aus Vereinen auszuschließen. „So treiben wir sie erst recht in rechte Gruppen hinein.“ Bezogen auf die NPD, die wegen der gefallenen Fünf-Prozent-Hürde in den Kreistag einziehen könnte, äußerte sich Bernd Winkelmann: „Die Funktionäre sind meine geringste Sorge. Schlimmer ist, dass mehr Bürger latent anfällig für Ausländerfeindlichkeit sind.“ „60 Prozent sagen, Deutschland sei überfremdet“, untermauerte Fiebiger dies. Auf Nachfrage meinten die meisten: Die Überfremdung gebe es allerdings nicht in ihrem Ort.

Rock gegen Abschiebung in Mühlhausen

Am Freitag, dem 03.10.2008 veranstaltete die Antifaschistische Koordination Mühlhausen einen Aktionstag zum Thema Abschiebung. Ab 16.00 Uhr hatten Besucher die Möglichkeit, an Workshops und Filmpräsentationen zum Thema teilzunehmen. Dabei berichtete Hanne A. von der Thüringer Abschiebehaftgruppe anhand von bewegenden Beispielen den 30 bis 40 Anwesenden über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland.

Anschließend begann gegen 20.00 Uhr das Konzert unter dem Motto „Rock gegen Abschiebung“. Die Veranstaltung war mit ca. 200 Leuten so gut besucht, dass die „Boje“ aus allen Nähten platzte.

Den Auftakt gaben Traitor aus Eschwege und schon bei den ersten Tönen zeigte sich die Begeisterung der zahlreichen Anwesenden. Beim anschließenden Auftritt der bekannten Punk- Band HIV aus Nordhausen steigerte sich die Stimmung im Raum nochmals, das Publikum wollte beide Bands gar nicht gehen lassen. Der endgültig nicht mehr zu übertreffende Punkt begann mit dem Auftritt der Reggae-Band PositiVibrations aus Gera, zu deren Klängen der ganze Saal tanzte. Auch Schlagzeiln aus Berlin rockte die Halle.
Als letztes Lied brachten sie eine „B-Haus Erfurt“ Version von „Köpi bleibt“. Mit „Wir bleiben alle“ Rufe zeigten die Gäste, dass ihre Solidarität nicht nur Flüchtlingen, sondern auch Hausprojekten gilt.

Alle Bands sowie die Gäste zeigten große Freude über den Erfolg des Abends, der sich unter anderem auch in den Spendeneinnahmen von 700 € zeigte, die den Flüchtlingen in Mühlhausen und der Thüringer Abschiebehaftgruppe zu Gute kommen.

Es gab zwei Redebeiträge. Einen von Frau Vater vom Miteinander e.V. Mühlhausen und einen von der AKM.

Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Es ist erfreulich, dass sich so viele Jugendliche für Flüchtlingsrechte interessieren und antifaschistische Events auch in der Provinz gut besucht werden.

Weitere Infos auf www.akm.de.tc.

Was treibt denn eigentlich der NPD–Kreisverband Eichsfeld so?

Als der Monat September von der NPD-Thüringen großspurig als so genannter „Aktionsmonat“ angekündigt wurde, gingen Antifaschisten natürlich in Alarmbereitschaft. Mindestens zwei Infostände und Kundgebungen sollte jeder Kreisverband abhalten und fleißig hetzende Flugblätter verteilen.

Doch was war los im Eichsfeld bzw. im Unstrut-Hainich Kreis? Im Gegensatz zu den auch eher wenigen Aktionen der anderen Kreisverbände in Thüringen zeigten sich die NPDler im Eichsfeld und Unstrut-Hainich Kreis, mit Ausnahme eines NPD-Familienfest in Kirchgandern, welches nach eigenen Angaben von 120 Sympathisanten besucht gewesen sein soll, gar nicht in der Öffentlichkeit. Dieses so genannte Familienfest, welches auf dem Privatgrundstück eines ehemaligen französischen Fremdenlegionärs stattgefunden haben soll und zu welchem auch zwei Bilder präsentiert wurden, sieht alles andere als gut besucht aus. Zu sehen vier Schaukelpferdchen, worauf jeweils ein Kind sitzt, und eine ältere Frau. Es ist natürlich klar, dass unter 120 Besuchern nur drei Kinder gewesen sind und dass deshalb ein Schaukelpferdchen von einer erwachsenen Person besetzt werden musste. Aber wir wollen uns ja nicht an den Schaukelpferdchen aufhalten. Das angebliche Familienfest ist als eine private Feier von Thorsten Heise zu werten, wobei bestimmt auch einige Leute aus versehen vorbei gekommen sind. Aber als eine gelungene Aktion ist es wohl kaum zu bewerten. Über den Grund der Inaktivität kann Mensch nur spekulieren, ist es die bekannte Geldnot der NPD oder hat es was mit der internen Spaltung der thüringer NPD zu tun (Siehe hier).
Wir wissen es nicht.

Trotzdem wollen wir nichts klein reden. Denn scheinbar läuft der Bundesvorstand der NPD und Kameradschaftsführer Thorsten Heise aus Fretterode zur Zeit auf einer anderen Schiene. Der von Hausdurchsungen Geplagte sucht auf Feiern aller Art, vor allem in kleinen Dörfern und Gemeinden, die Öffentlichkeit. So wurde er z.B. bei einer Feier in dem kleinen Dorf Schachtebich gesehen. Dort versucht er scheinbar als Gutmensch aufzutreten um sich langsam in die bürgerliche Mitte zu schleichen. Wie es um Thorsten Heise weitergeht bleibt erstmal offen; schließlich hat er auch immer noch Probleme mit der Justiz (Siehe hier und hier und auch hier). Weitere gerichtliche Verfahren um die Person Torsten Heise stehen noch bevor.

Aber nicht nur Thorsten Heise als bekannter Neonazi trat in die Öffentlichkeit. Auch weniger bekannte NeoNazis sind immer wieder in der Öffentlichkeit anzutreffen. Beispielsweise beim Stadtfest in Heiligenstadt. Es war der Samstagabend gegen 20 Uhr vor der Bühne an der Oberen Wilhelmstraße. Plötzlich zeigten sich fünf bis sechs junge Neonazis, darunter der bekannte NPD-Sympathisant Rene G. mit Freundin Sahra B. und der.Bruder von Rene G.. Mit bösen Blicken Richtung den alternativen Menschen und mit eindeutigem Lifestyle, wie der Marke „Pit Bull“ machten sie sich bemerkbar. Schon kurz darauf wurde ihnen klar gemacht, das sie hier nichts zu suchen haben und schnellstens verschwinden sollten, worauf sie sehr aggressiv reagierten und sich Quarzhandschuhe anzogen, welche auf öffentlichen Veranstaltungen rechtlich verboten sind, da sie als Passiv-Bewaffnung gelten. Sehr aggressiv war vor allem Sahra B. und der Bruder von Rene G., welche versuchten, um sich zu schlagen und die Jugendlichen ihnen gegenüber zu verletzen, was ihnen allerdings nicht gelang. Als sie bemerkten, dass sie einer immer größer werdenden Zahl an Jugendlichen gegenüber stehen, zogen sie sich zurück, worauf sich die Situation beruhigte. Jedoch versuchten sie nur kurze Zeit später schon wieder, mit Handschuhen bewaffnet, an die Bühne zu gelangen, was sie aber selbstständig aufgaben.

Am späteren Abend kam Rene G. mit einer unbekannten Person zurück, diese Person griff ohne zu zögern einen Jugendlichen an. Einen Grund dafür gab es nicht. Er wurde von umstehenden Personen abgedrängt, worauf er sich mit einer Glasflasche bewaffnete und wirres Zeug grölte. Ein couragierter Bürger konnte ihn jedoch beruhigen, so dass nicht mehr geschah. Er drohte dann noch mit Russen, die uns platt machen würden.

Aber wieso gerade Russen? Es ist in der letzten Zeit aufgefallen, da sich vermehrt Deutsch-Russen um die Drahtzieher der NPD wimmeln. Spekulationen besagen, dass die Deutsch-Russen die NeoNazis und deren Eigentum beschützen und sie dafür im Gegenzug Geld bekommen, was allerdings rechtlich illegal ist. Mensch könnte es fast als genialen Schachzug der NPD sehen, da sie doppelt davon profitieren. Erstens ist ihr eigener Schutz gegeben und Zweitens können sie es auf die bösen Ausländer schieben, wenn sie gegen die Gesetze verstoßen.

Das Fazit aus den oben genannten Aktionen der NeoNazis kann nur so lauten:
NeoNazis und die NPD sind nicht fähig, eine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Noch weniger stehen sie auf dem Boden des Grundgesetz, obwohl sie immer wieder genau auf dieses hinweisen. Sie geben sich absolut undemokratisch und gewaltbereit. Dies macht es für uns notwendig, weiter gegen diese Braune Brut anzukämpfen. Egal ob bekannte NeoNazis wie Thorsten Heise oder unbekannte NeoNazis und Sympathisanten, es gilt sie zu bekämpfen. Mit allen Mitteln auf allen Ebenen.

Gebt den Faschisten keine Chance!

Mit antifaschistischen Grüßen Marie Zanker