Archiv für Mai 2008

Reclaim the streets – against fascism

Reclaim the Streets – against fascism hieß es am 23.05.2008 in Heiligenstadt im thüringischen Eichsfeld.

Ein Freitag wie er besser nicht sein konnte. Nach 3 Tagen Mobilisierung fanden sich knapp 50 alternative Jugendliche in Heiligenstadt zusammen.

Das Motto war RECLAIM THE STREETS – AGAINST FASCISM. Dies sollte eine Antwort sein auf die vermehrten Aktionen von NeoNazis im Eichsfeld-Kreis. Und diese Antwort kam gut an. Mehrere hundert Flyer wurden bei lauter Musik an Menschen verteilt oder in Briefkästen gesteckt. Viele Menschen applaudierten uns und zeigten mit dem Daumen nach oben. Was uns natürlich sehr freute. Der Schwerpunkt dieser Aktion lag in dem Wohnviertel, in dem die meisten NeoNazis wohnen u.a. auch Mathias Fiedler. Er ist enger Vertrauter von Torsten Heise und höchstwahrscheinlich der Jenige, von dem die Aktionen der NeoNazis koordiniert werden. Denn in keinem Stadtgebiet wurden so viele Nazi-Aufkleber und Sprühereien entdeckt wie in dem Gebiet wo er wohnt. Als wir das Wohnviertel komplett durch laufen waren, kam das erste Mal ein Streifenwagen der Polizei angefahren. Die Beamten unternahmen aber nichts weiter und wir konnten weiterziehen. Wir gingen dann nochmal direkt durch die Innenstadt zum Marktplatz. Dort beendeten wir nach über 2 Stunden unsere Aktion. Danach ging es in den Stadtpark zum feiern.

Alles in allem war dies eine gelungene Aktion in der Provinzstadt. Wir haben bewiesen, dass die alternative und antifaschistische Szene dort nicht tot ist, sondern im Aufwind. War werden den NeoNazis dort nicht so einfach das Feld überlassen. Und diese Aktion wird nicht die letzte gewesen sein.

DANKE an Alle die da waren.

KEIN FUSSBREIT DEN FASCHISTEN

Flugblatt gegen Nazi-Hetze in HIG

Rechte Codes

Rechte Codes

Sie sind normale Eltern und wollen das Beste für ihre Kinder. Doch bei ihrem Sohn ist das Bemühen zum harten Ringen geworden. Thüringer Neonazis versuchen ihn vor ihren Karren zu spannen. Ihr zum Teil aggressives Agieren kommt bei den Eltern inzwischen unverholen als Drohung an.

Um ihn haben sich schon immer Kinder geschart, Freunde, Bekannte. Der heute 16-Jährige stand oft im Mittelpunkt. Marcus ist nicht sein richtiger Name, „Marcus“ soll den Jugendlichen und seine Familie aus einer Gemeinde in Ostthüringen schützen. Der Junge war nie ein Schläger und gerade auch deshalb versuchen Thüringer Neonazis ihn einzuspannen.

Seit einem Dreivierteljahr sorgen sich seine Eltern um ihn. „Wir haben Anfangs nichts gemerkt“, gestehen sie sich ein. Die Haare wurden kürzer. Erst kamen Stahlkappenschuhe, dann weiße, später rote Schnürsenkel. Seine Kleidung sollte nur noch von einer Marke sein: „Bis dahin hatten wir uns wenig dabei gedacht: Pubertät eben.“

Das Schlüsselerlebnis war ein Besuch bei Verwandten. „Deren Söhne wollten plötzlich nicht mehr mit Marcus losziehen“, erzählt sein Vater. „Wir können uns mit ihm nicht blicken lassen“, sollen sie ihrem völlig verdutzten Onkel gesagt haben.

Und, dass sein Outfit das der rechten Szene sei. Ein Vorwurf, der die Eltern elektrisierte.

„Wir begannen im Internet zu recherchieren und kamen ganz langsam hinter die Bedeutung der Klamotten, der Aufnäher und vieler versteckter Codes der Szene“, erzählt die Mutter. Versuche mit ihrem Sohn über seine neuen Kontakte zu reden, scheiterten regelmäßig: „Da machte er dicht, später kamen Drohungen hinzu.“

Auch in der Schule begannen die Schwierigkeiten. Marcus beschimpfte Kunden der Firma seiner Eltern, wenn das Gespräch auf seine politische Einstellung kam. Seine jüngere Schwester musste das alles miterleben.

„Wir sind bestimmt keine Linken“, sagen die Eltern. 1988 aus der DDR geflüchtet, hatten sie sich nach ihrer Rückkehr die Firma und ein solides Leben aufgebaut. „Wir versuchen unsere Kinder ordentlich zu erziehen.“ Davon sind beide trotz ihrer Verzweiflung überzeugt.

Wie vor 20 Jahren ihr eigenes Schicksal wollen sie auch das von Marcus nicht einfach hinnehmen. Hilfe bekamen sie von „Exit“. Ein in Berlin ansässiger Verein, der auch Aussteiger aus der rechten Szene betreut und Eltern unterstützt, wenn ihnen ihre Kinder entgleiten, weil sie zu Neonazis geworden sind. Es gab Versuche, die Probleme in der Schule zu klären. Das aber scheiterte. Aus Sicht der Eltern, weil Lehrer überhaupt nicht auf solche Situationen und die Eskalation vorbereitet sind und inzwischen ihren Sohn nur noch von der Schule haben wollen.

Eine Erfahrung, die Dirk Fischer von Exit teilt. Allein in der Ostthüringer Region, wo Marcus lebt, betreut Exit noch vier Jugendliche, in der Hoffnung, dass diese sich wieder aus der rechtsextremen Szene lösen.

Schwierig ist die Lage in Thüringen auch, weil über Jahre vieles verschlafen und vernachlässigt wurde. So gibt es kein Aussteigerprogramm. Nur mit einer Telefonnummer beim Verfassungsschutz wird geworben.

Die Eltern von Marcus entschlossen sich zum Handeln, als ihnen ein Brief von Thüringens vorbestraftem NPD-Chef ins Haus flatterte. „Andere Eltern sollen gewarnt werden, um die ersten Anzeichen eines Abgleitens in die rechte Szene zu erkennen“, sagen sie.

Inzwischen begegnen ihnen fortlaufend Nazi-Codes, sehen sie versteckte Zeichen der Szene, wo andere liebe, gute, junge Menschen vermuten.

So soll es in den Dörfern ihrer Region einen Jugendführer der Rechten geben, der tagsüber in seinem Job nicht auffällt. Nachmittags oder am Abend schart er dann die Jugendlichen im Alter von 14, 15 Jahren um sich. Viele Alternativen für die Leute gebe es abseits der großen Städte nicht, erklärt Marcus´ Mutter.

Eine Situation, die der Verein Mobit seit Jahren kritisiert. Die Warnung, dass es Landstriche in Thüringen gibt, die mangels Alternative nur von rechter Jugendkultur geprägt sind, wurde bisher offiziell immer ignoriert.

Bei Marcus sammelten sich so etwa 100 CDs mit rechtsextremer Musik an, der häufigsten Einstiegsdroge in die Szene. Zu Hause ist die Situation inzwischen eskaliert. Die Eltern entschlossen sich, mit Hilfe des Jugendamtes ihren Jungen für einige Wochen aus dem gewohnten Umfeld und so auch aus der rechten Szene herauszunehmen. Es sei ein verzweifelter Schritt, sagen beide. Ein Heim und eine Schule dafür wurden in Südthüringen gefunden.

Doch die Hoffnung wehrte nur kurz, denn auch die Neonaziszene kam dorthin. Vor vier Wochen steckte ein Brief der NPD in der Post. Gegen den Schreiber wurde gerade in Berlin, gemeinsam mit zwei anderen, Anklage wegen Volksverhetzung und Beleidigung erhoben. Dieser Mann wirft den verzweifelten Eltern vor, den Sohn aus dem Haus getrieben zu haben. Er rät ihnen, sich von einer „unseligen“ Lehrerin loszusagen, die aus dem Schuldienst entlassen gehöre – die Frau hatte den Eltern mitgeteilt, dass sich ihr minderjähriger Sohn im Vorjahr in Jena auf einem Neonaziaufmarsch herumgetrieben hatte, gegen den sie selber mit Hunderten protestierte.

Wie das Ringen um Marcus ausgeht, wissen die Eltern nicht. „Erschreckend ist, dass eine Generation heranwächst, von der wir viel zu wenig wissen, was sie in fünf, sechs Jahren machen wird“, sagt sein Vater.

Quelle: TA

Erfolgreiches Konzert gegen Rechtsextremismus.

Am 02. Mai fand das 4. Rock gegen Rechts Konzert im Eichsfeld statt.
Mit 150 Gästen feierten wir diesmal in Heiligenstadt bei Bands wie Kein
Plan, Verspielt, Ralf Gerund, Passt Schon und den Gatecrashers bis in
die Morgenstunden eine Fette Party. Unterstützt wurden wir dabei von den
Parteien die Linke, SPD und die Grünen, von Mobit und vielen
Einzelpersonen.

Der Abend verlief absolut Störungsfrei, zu einem angekündigten Aufmarsch
Rechtsextremer kam es nicht, lediglich 2 Nasen gingen trüben Blickes am
Veranstaltungsort „Schmerbachs Keller“ vorüber.
Sehr gut angenommen wurde die vegane Küche. Mit Gemüse-Burgern und
Chili-Eintopf konnte sich Mensch stärken um dann wieder richtig abzutanzen.
Besonders freuen wir uns über die Spenden-Gelder, die in unserer Spendenbox
gelandet sind. Dieses Geld wurde zugleich für den Ratgeber zu Naziübergriffen
„Don´t Panic“ verwendet, welchen wir mit verschiedenen Antifa-Gruppen in
grösserer Auflage drucken lassen haben.

Dieses Konzert wird nicht das letzte im Eichsfeld-Kreis gewesen sein.
Denn uns ist es sehr wichtig Öffentlichkeitsarbeit gegen Rechtsextremismus zu
leisten und dieses Konzert hat gezeigt das es viele junge Menschen gibt,
die sich für dieses Thema interessieren. Wir bedanken uns bei allen die
da waren, vor allem bei den Bands und den fleißigen Helfern und freuen uns
schon auf ein nächstes Mal.

Mit antifaschistischen Grüßen APA (Antifaschistische Provinz Aktion)

P.S. Hier gibts ein paar Fotos.